Die ersten Anzeichen der Besiedelung des Prager Gebietes äußern sich bereits in der älteren Seinzeit. Im jüngeren Paläolithium waren schon alle Anhöhen des heutigen Groß-Prag von Menschenbewohnt. Diese Siedlungen lockten Karawanen fremder Tauschhändler an, die hier an der Moldau günstige Bedingungen für den Handel, aber auch als Lagerstätte fanden. Mit der Zeit schufen sie hier ein dauerndes Handelszentrum, eine Einnahmequelle für die Herrscher der örtlichen Stämme. Ungefähr im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung beherrschten dieses Gebiet die Slawen, von denen im 9 Jahrhundert der Stamm der Tschechen, geführt vom Geschlechte der Premysliden an die Spitze gelangte. Der Premyslide Borivoy nahm das Christentum an und gründete vor dem Jahre 890 auf der Moldaulandzunge die erste, der Jungfrau Maria geweihte Kirche als Grundstock einer Burgstätte, die bald darauf zum Schutze des Handelszentrums erwuchs, aber auch der Überwachung der sich ständig ausweitenden Siedlung in der Vorburg bei der Moldau dienen sollte. Die Burgstätte wurde bald zum Sitze der weltlichen und kirchlichen Verwaltung des ganzen Siedlungsgebietes der Tschechen und ihre Vorburg zum größten Handelsplatze weit und breit. Sie war, wie der arabisch-jüdische Kaufherr Ibrahim Ibn Jacob um das Jahr 965 vermerkte, aus Stein und Kalk aufgebaut. Die Berichte aus dem 11. und 12. Jahrhundert geben ein immer anschaulicheres, plastisches Bild vom Wachstume des frühfeudalen Prag (
Praha- Česko ). Die Burgstätte, ursprünglich aus Lehm und Holz erbaut, wuchs allmählich zu einer steinernen, romanischen Burg mit einem Fürstenpalaste, einem Bischofssitze und einem Domkapitel und Kloster heran. Die Dominante bildeten zwei Basiliken mit Türmen. Die Vorburg einschließlich der Produktionsstätte direkt unterhalb der Burg entwickelten sich zu einer sehr großen Stadt, die mit ihrer Steinbrücke (Judithbrücke), mit steinernen, betürmten Bürgerhäusern, Adelshöfen, vielen Kirchen und mehreren Klöstern imponierte. Ein dichtes Netz angrenzender Dörfer entwickelte die Verbauung der Vorburg auf der rechten Seite der
Moldau bis zum Vysehrad, der ebenso einen Fürstenpalast, drei Kirchen und ein Kapitelhaus hatte und auf der anderen Seite des Flusses bis zum Ujezd ( Aujezd ) reichten. Im Laufe des 13. Jahrhunderts bildete sich auf diesem elementaren Organismus eine festgeordnete Städtische Verwaltung. Die Vorburg wurde abgeschlossen und mit Wälen und Turmtoren befestigt, wobei weitere Viertel mit einem geräumigen Marktplatze bei der Kirche St. Gallus entstanden. An der Moldau wurden gegen eventuelle Überschwemmungen Wehre und Schutzdämme erreichtet und der so gesicherten Bevölkerung das Marktrecht gewährt und ihr die Pflichten des städtischen Produktions-, Handels und Besteuerungswesen auferlegt. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit des komfortablen Wohnbaues und eine entwickeltere, bessere Seelsorge durch Errichtung der sogenannten städtischen Ordensklöster gegeben, deren ausgedehnte Bauten nach Prag einen neuen Baustil brachten, die Gotik. Nach dem Jahre 1230 wurde die
Altstadt und im Jahre 1257 die kleinere Stadt gebildet, während Premysl der II. Den Umbau der romanischen Burgstätte oberhalb der Kleinseite zur gotischen Burg begann.
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